Der Name
Mitten in der Wüste, ein dicker Cadillac mit einem Platten, fast 40 Grad im Schatten und weit und breit kein Mensch...... Als ich 1978/79 ein Jahr in den USA lebte, bin ich die letzten drei Monate im Land herumgereist. Das Geld habe ich mir damit verdient, Autos zu überführen und Leute mitzunehmen. Einen dicken, alten Cadillac sollte ich von Phoenix/Arizona nach Denver/Colorado bringen und hatte drei Freunde an Bord. Im 4-Corners-Gebiet rumpelte es plötzlich vorne - Platten. Dummerweise war das Reserverad auch platt, und Werkzeug für den schweren Schlitten fehlte auch. Den anderen wurde schlecht von der Hitze, sie gingen an einen schattigen Felsen. Schließlich war ich der Fahrer und das ganze mein Problem. Da tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein Pick-up auf, drei Indianer an Bord. Stille, verschlossene Gesichter. Ich versuchte mein Problem zu schildern. Aber sie hatten es längst erkannt. Es wae ihr Land, und ein Fremder war liegengeblieben. Wortlos wechselten sie meinen Reifen. Wieso sie ausgerechnet die passende Größe dabei hatten - ich weiß es nicht. Sie hätten mir einen Schweinepreis abverlangen können. Aber sie nahmen nur ein paar Dollar, so viel, wie der Reifen wert war. Ich wusste nicht, wie ich mich bedanken sollte, doch sie fuhren einfach weg - so ernst wie immer. Es war ihr Land. Ein Stück Magie. Als wir kurz darauf die 4 Corners passierten, wo vier amerikanische Bundesstaaten aneinanderstoßen, begann ich zu verstehen. Die Indianer sind in ihrem eigenem Land nur geduldet. Es ist ihre heilige Erde, egal ob die Weißen imaginäre Grenzen ziehen oder nicht. Ich war zum ersten mal in diesem Jahr froh, kein Amerikaner zu sein. 1995. Ich suche ein gebrauchtes Auto. In dem Anzeigenblatt sehe ich nebenbei: Da sucht jemand einen Bassisten, Richtung Neil Young, Bob Dylan, Beatles. Meine Musik. Ich rufe an, fahre hin, spiele mit. Perfekt, wir singen direkt mehrstimmig, mit den Gitarren alles kein Problem, die Wellenlänge stimmt. Nur das ich eigentlich Gitarre spiele. Ich kaufe mir einen Bass, und dann wechseln wir uns ab. Als Drummer können wir nach langem Suchen Ludwig gewinnen, und in 1999 finden wir nach mehreren Umbesetzungen die passende 4. Ecke: Peter. Der Name? Die Geschichte mit den Indianern fiel mir wieder ein. Irgenteine Magie führt es offenbar zusammen: den Ersatzreifen in der Wüste oder eine Band. Zufälle? Ich bin mir manchmal nicht so sicher. Also: 4 Corners
Jörg Montag
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